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  • Werkschauen in Literatur und Theater


    (ell) Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung des Elternbeirats kamen die Schülerinnen und Schüler der beiden Oberstufen-Jahrgänge des Fachs „Literatur und Theater“ in den Genuss eines Stockkampf-Workshops. Angeleitet wurden sie vom Profi Meno Baur, der mit seiner Begeisterung die Leidenschaft für diese Kampf- und Bühnenkunst bei vielen wecken konnte.

    Durch die Konzentration, die den miteinander Kämpfenden abverlangt wird, schult Stockkampf Präsenz und Klarheit auf der Bühne. Die Workshop-Teilnehmer lernen spielerisch Achtsamkeit für Zeit und Raum, Nähe und Distanz, Abgrenzung und Fluss. Stockkampf trainiert außerdem die Rechts-Links-, sowie die Augen-Hand-Koordination und stärkt Gesundheit, Fitness, Kraft und Selbstbewusstsein.

    Die Ergebnisse der Workshops können in den beiden Werkschauen betrachtet werden. Es werden collagenartig Szenen präsentiert, die während des Schuljahres in den Kursen erarbeitet wurden. Die Präsentationen finden im Musiksaal des Paracelsus-Gymnasiums-Hohenheim statt und sind öffentlich. Der Eintritt ist frei.

    • Werkschau „Literatur und Theater“ J1: Montag, 27. März 2017, 16:30 Uhr – ca. 17:30 Uhr
    • Werkschau „Literatur und Theater“ J2: Donnerstag, 6. April 2017, 17:00 Uhr – ca. 18:20 Uhr

      

    Ein Traum: Endlich Frieden in meinem Land


    (mg) Wohlwollende und auch mitfinanzierende Begleitung war eigentlich von Anfang an sicher: Der Elternbeirat des PGH, private Spender und auch der Bezirksbeirat Plieningen-Birkach waren sofort begeistert vom Plan für ein Theaterprojekt von vier Schulen und Jugendlichen aus dem Flüchtlingsheim „Im Wolfer“. So richtig vorstellen aber, was dann daraus werden würde, das konnte sich eigentlich keiner. Seit der Aufführung in der Zehntscheuer wissen es alle: Ein ambitioniertes Unternehmen, das neben der Herausforderung an alle Beteiligten eine exzellente Umsetzung mit sehr vielen Inhalten zum Nachdenken in die Zehntscheuer brachte.

    Reinkommen in den Theatersaal und sich berieseln lassen von der darstellenden Kunst war beim „Theater für eine bessere Welt“ nicht angesagt. Schon im Vorraum spielten die Schülerinnen und Schüler aus dem Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim, dem Königin-Charlotte-Gymnasium, dem Wilhelms-Gymnasium und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium einzelne Szenen auf der Empore, die nachdenklich machten. Unterstützt von den Jugendlichen aus dem Flüchtlingsheim am Wolfer stieg man schon mit der Frage in den eigentlichen Theatersaal hinauf: In welchem Land leben wir – und wie wollen wir damit umgehen, dass Flüchtlinge bei uns sind, die aus einer völlig anderen Welt in die unsere gekommen sind: Dort können sie nicht mehr leben – und hier? Bei uns? Wer sind sie? Geduldet? Willkommen? Mit Vorsicht zu genießen oder gar abgelehnt?

    Nachdenklich ging es weiter: „Leonce und Lena“, Büchners Lustspiel, der seiner Zeit - Mitte des neunzehnten Jahrhunderts – und den damals Mächtigen und Bedeutenden aus Klerus und Adel einen bitterbösen Spiegel vorhält, stand im Vordergrund. Umrankt von Gedichten zu Flucht und Exil schafften es die Ausschnitte des „Lustspiels“ eine Gesamtatmosphäre zu schaffen, die sehr wesentlich von der Schauspielkunst der gesamten Truppe abhängig war. Inszeniert und geleitet wurde das „Theater für eine bessere Welt“ von Judith Ellinger, Otto Seitz, Dominik Führinger, Anna Führinger und Stefan Hauck.

    Und es gelang!

    Schon der Auftakt war vielversprechend: Der „heiteren“ Anmoderation zur Langeweile des Adels damals folgte sofort eine Eingliederung des Flüchtlingsthemas in die Weltgeschichte:

    Wenn schon Globalisierung und Migration, dann doch – bitteschön – mit Erinnerung an eine Zeit, als Millionen von Deutschen darauf hoffen mussten, am Ende ihrer Flucht und Vertreibung in einer neuen Heimat willkommen zu sein. Das ist keine einhundert Jahre her, wird aber in manchen Diskussionen im heutigen Deutschland gerne vergessen.

    Auf der Bühne der Zehntscheuer zu sehen Lustspiel und tragische Inhalte, der Müßiggang als allergrößte Aufgabe kontrastiert mit Elend und Gehorsam derer, die das Pech haben, eben unten und nicht gelangweilt oben in der gesellschaftlichen Hierarchie angesiedelt zu sein, eine Herkulesaufgabe für Theaterkurse einer Schule in Inszenierung und Darstellungskunst.

    Es war eine Freude zu sehen, wie sich wirklich alle Darsteller auf der Bühne in ihre Rolle eingefunden hatten. Da gab es keinen Aussetzer, keine mäßige, als amateurhaft einzustufende Szene, sondern Überzeugung von der Bühne herunter, die Akteure spielten mit Leidenschaft und Herzblut – und ernteten lebhaften Beifall aus der bestens besetzten Zehntscheuer.

    Und die Jugendlichen aus dem Flüchtlingsheim waren kräftig mit dabei und mittendrin – und alles andere als am Rande. Dass einer von ihnen dann die galante Szene beim Flirt mit einer eher unwilligen Schönen sein Scheitern mit „Heilandssack!“ kommentierte, brachte neben dem Lacher des Publikums auch eine sehr wesentliche Erkenntnis mit sich: In Ärger und Freude sind wir uns alle einig im Gemütsleben. In der Empfindung von Not und Elend sollten wir das auch sein. Wer in einem Flüchtlingsheim wohnt, hat sich diese „Heimat“ nicht ausgesucht. Aber es könnte eben auch der Beginn für eine neue Lebensphase sein, die sehr viel besser wird, als die, weswegen man am Wolfer in den „Systembauten“ sitzt.

    Ein durchweg gelungenes Projekt, in dem soziale Auseinandersetzungen präsentiert wurden von Darstellern die alles nur eines nicht gemein hatten: die Konfrontation von Unterschiedlichkeit. Auf der Zehntscheuer-Bühne und im Publikum schloss man sich mit stürmischem Applaus dem größten Traum eines der Besucher an: „Ich wünsche mir Frieden in meinem Land!“

    Der dies schrieb, kommt aus Syrien.  

      

    Schülerinnen des PGH erleben Theater

    (je) Am Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim wurde in diesem Schuljahr ein neues, abiturrelevantes Fach eingeführt: Literatur und Theater. Inhaltlich geht es in diesem bereichernden Fach um Theaterspielen, Theatertheorien, Theater produzieren und darum, Theater kritisch zu hinterfragen.

    17:18 Uhr – Toilettengang simulieren

    Deshalb nahmen die 19 Schülerinnen des bestehenden Kurses bereits zu Beginn des Schuljahres an einer Produktion des Staatstheaters Stuttgart teil: „Familie Weiß“. Familie Weiß wohnte irgendwo in einer Altbauwohnung in der Stuttgarter Innenstadt und ihre Existenz beruhte auf einem groß angelegten Täuschungsmanöver. Die Familie bestand nämlich aus dem Stuttgarter Theaterpublikum – wie beispielsweise unseren 19 Schülerinnen. Vom 2. Oktober bis 30. November simulierten die beteiligten Bürger eine dreiköpfige Familie, indem Geräusche nach Drehbuch produziert wurden. So sollte zu einer bestimmten Uhrzeit der Wecker klingeln, die Dusche oder eine Bohrmaschine an- und wieder ausgestellt werden. Im Oberen Foyer des Schauspiels Stuttgart lief ein Live-Stream; auf Monitoren konnten die „Komplizen“ des Staatstheaters beobachtet werden. Die Beteiligung an dieser neuen Theaterform gefiel den Schülerinnen des Paracelsus-Gymnasiums sehr gut. Sie berichteten beispielsweise von einem „Verfremdungseffekt“, da alltägliche Abläufe plötzlich hinterfragt wurden. So berichtete eine Schülerin beispielsweise, in ihrer Partitur habe gestanden:  „17:18 Uhr – Toilettengang simulieren“. Plötzlich fand sie sich in der Toilette wieder, mit Fragen im Kopf wie: „Schließe ich normalerweise zuerst die Tür oder mache ich zuerst das Licht an? Wann genau öffnet man nochmal den Klodeckel und wie lange warte ich, bis ich spüle?“. Eine andere Komplizin war überwältigt von der Menge an Tätigkeiten, die in der kurzen Zeit absolviert wurden. Und stellte fest, dass eine Partitur mit der Auflistung all der Kleinigkeiten, die zu Hause routiniert ablaufen, noch länger wäre.

    Der Kurs gestaltete auch bereits eine eigene Werkschau im Dezember. Die Schauspielerinnen feilten für ihren ersten öffentlichen Auftritt an verschiedenen Szenen, die während der Wochen zuvor im Unterricht erarbeitet wurden, und zeigten sie schließlich einem kleinen (und begeisterten) Publikum. Der „Weihnachtsrap“, eine selbst komponierte und inszenierte musikalische Szene, wurde mit großem Erfolg sogar im Adventskonzert vor etwa 500 Zuschauern präsentiert.

    Außerdem folgen eine weitere Werkschau im März sowie ein Theaterprojekt mit Flüchtlingen im Juni. Dieses Projekt kann durch die freundliche Unterstützung des Elternbeirats des Paracelsus-Gymnasiums durchgeführt werden und findet seinen Höhepunkt in einer Aufführung am Samstag, den 18. Juni 2016 um 20:00 Uhr in der Zehntscheuer in Stuttgart-Plieningen.

      

    „Familie Weiß“ - Schülerinnen beteiligen sich an einem Projekt des Stuttgarter Schauspiels

    (ell) Am Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim wurde in diesem Schuljahr ein neues, abiturrelevantes Fach eingeführt: Literatur und Theater. Inhaltlich geht es in diesem bereichernden Fach um Theaterspielen, Theatertheorien, Theater produzieren und darum, Theater kritisch zu hinterfragen.

    Deshalb nehmen die 19 Schülerinnen des bestehenden Kurses bereits jetzt an einer Produktion des Staatstheaters Stuttgart teil: „Familie Weiß“. Familie Weiß wohnt irgendwo in einer Altbauwohnung in der Stuttgarter Innenstadt und ihre Existenz beruht auf einem groß angelegten Täuschungsmanöver. Die Familie besteht nämlich aus dem Stuttgarter Theaterpublikum – wie beispielsweise unseren 19 Schülerinnen.

    Vom 2. Oktober bis 30. November simulieren die beteiligten Bürger eine dreiköpfige Familie, indem Geräusche nach Drehbuch produziert werden. So soll zu einer bestimmten Uhrzeit der Wecker klingeln, die Dusche an- und wieder ausgestellt werden. Weitere Anweisungen sind die Bohrmaschine anzuwerfen, zu bügeln (ohne Kleider), eine Küchenmaschine im Leeren kreiseln zu lassen. Im Oberen Foyer des Schauspiels Stuttgart läuft ein Live-Stream; auf Monitoren können die „Komplizen“ des Staatstheaters beobachtet werden.

    Die Stuttgarter Zeitung schrieb am 15. September über das Projekt: „Wenn also, liebe Leser, Ende September eine dreiköpfige Familie in ihre Nachbarschaft zieht, könnte es sich lohnen, die neuen Hausbewohner genauer unter die Lupe zu nehmen: Es könnten Leute sein, die nur so tun, als wären sie eine Familie, in Wirklichkeit aber dazu angeheuert wurden, bei Ihnen, liebe Nachbarn, gezielt Reaktionen auszulösen.“

    „Familie Weiß“ stellt die Fragen unserer Zeit: „Wo endet die soziale Achtsamkeit? Wo beginnt die soziale Kontrolle?“, sagen Hannah Hofmann und Sven Lindholm, beide Mitte vierzig. Sie bilden das Künstlerduo Hofmann&Lindholm und haben das Stadtraumprojekt eigens für Stuttgart entwickelt. „Eine Wohnung mit Leuten, deren Herkunft unbekannt ist und die womöglich zweifelhafte Absichten hegen: früher wären unsere Komplizen im Verdacht gestanden, Terroristen zu sein“, erläutert die Künstlerin Hannah Hofmann der Stuttgarter Zeitung. „Was ist der Sinn dieses Projekts?“, fragen die die Schülerinnen des Kurses nach der Vorstellung des Projekts im Kurs und werden während der nächsten Wochen vielleicht eigene Antworten finden. Sicher dagegen ist, dass sie neue Erfahrungen machen werden und sich mitten in einer brandneuen Idee von Theater befinden.

    Wer noch mehr wissen möchte, kann sich auf der Homepage des Staatstheaters informieren.