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  • Irdische Sorgen und außerirdischer Beistand


    (mg) Nichts ist so schwer wie die leichte Kunst. Das wissen alle Profis am Theater – und denken stets sehr genau darüber nach, ob sie sich als Schauspieler eine Komödie antun oder lieber doch eher eine dramatisch-ernste Rolle in Erwägung ziehen. Mit derartigem Nachdenken erschweren sich die Schülerinnen und Schüler am pgh:-) ihre Vorbereitungen nicht. Da geht es frisch und frei monatelang in die Proben, um dann am Ende fünf Aufführungen im Nicolaus-Cusanus-Haus zu stemmen. „Hase Hase“, eine Komödie von Coline Serreau stand auf dem Programm, kein leichtes Projekt von Theater-, Bühnenbild-, Kostümbild-, Technik-AG und Orchester, aber eines mit dem mehr als einhundert „pgh-ler“ zu begeistern wussten.

    Zum Glück war alles nur Spiel, denn, wer weiß, ob die Menschheit von den Außerirdischen verschont würde, wenn all das Wirklichkeit wäre, was auf der Bühne des Cusanus-Hauses aufgeführt wurde. Die Geschichte spielt in Paris – und da ist bekanntlich vieles überdreht. Nur ist halt Terror in der Familie, um mit dem Schlimmsten anzufangen, dann aber auch die Irrungen und Wirrungen des Familienlebens, die Arbeitslosigkeit oder das Scheitern an der Schule nichts Ungewöhnliches und nur im „Hase Hase“-Stück geballt in der Familie Hase zu bestaunen.

    Judith Ellinger und Eberhard Riese hatten das Originalstück um einige Szenen um Gewalt und Terror abgespeckt, sehr zum Vorteil der Aufführung der Kultur-Arbeitsgemeinschaften am pgh:-). Die konnten nach Herzenslust kalauern und die Unebenheiten von innerfamiliären Strukturen durch den Kakao ziehen. Sie trafen damit genau ins Lachzentrum der Zuschauer in den fünf Vorstellungen. Der jüngste Sohn der Familie Hase glaubt in der Komödie, als Außerirdischer die Menschheit überprüfen zu müssen, ob sie es denn wert sei, von den Außerirdischen nicht vernichtet zu werden.

    Wie so oft in dergleichen Parabeln auf die Menschheit ist ein einzig Gerechter unter vielen tausend Ungerechten und ein Guter unter zahllosen Bösen ausreichend, um die Hoffnung nicht ganz fahren zu lassen. Bei „Hase Hase“ ist es Mama, gespielt von Ann-Katrin Fischer und alternativ von Nisha Toussaint-Teachout, die das Überleben der Menschheit sichert. Alle wollen mit ihren Katastrophen zurück zu Mama, um dort unterzukommen, nachdem es im Leben draußen nicht geklappt hat.

    Das Stück beginnt in der Wohnküche der Hases mit vier Familienmitgliedern – und explodiert in kürzester Zeit – und sehr zum Vergnügen der Zuschauer – auf Mama, den Vater, zwei Töchter, zwei Söhne und eben den dritten und jüngsten Sohn, namens Hase Hase (Ben Ujkani und Iwan Meckler), der den ironischen Kontrapunkt zu all die Katastrophen setzt. Da verweigert Lucie (Minh Anh Nguyen, Isabel Artschwager) das Ja-Wort bei der Trauung , Marie (Marie Vetter, Ezgi Sahin) will sich scheiden lassen wegen eines nicht gereichten Salzstreuers. Der älteste Sohn Bébert (Lars Kremer) ist angeblich Medizinstudent, in Wahrheit aber ein polizeilich gesuchter Terrorist und Waffenhändler, sein Bruder Jeannot (Aron Mesfun, Joshua Henzler) angeblich ein EU-Dolmetscher in Brüssel und in Wahrheit eben der Helfershelfer von Bruder Bébert. Vater Hase (Elias Kieser) ist arbeitslos und hadert lautstark mit seinem Schicksal, Gérard (Patrik Simič, Michael Conrad) ein Waschlappen, der es in der Schlussszene aber doch noch schafft, Lucie zur Heirat zu bewegen.

    Und als sei dies noch alles nicht genug, quietscht auch noch die überdrehte Nachbarin, Frau Duperri (Stefanie Krüger, Pia Beeck), in die Wohnküche und versucht, ihrer Vereinsamung in der Katastrophenfamilie zu entkommen.

    Über allem schwebt Mama – und kauft ein. Auch das eine durchaus realistische Übersprungshandlung, um den heimischen Katastrophen zu entkommen. Brühwarm und aktuell vermelden das die immer präsenten Außerirdischen in ihr Zentrum im Weltraum - auf der Empore im Cusanus-Haus verkörpert vom Kommandaten-Alien Niff (Finn Bollheimer), sowie seiner jederzeit Musicals vor sich hertrellernden Assistentin Aisof (Julia Roth). Das hat schon im Arrangement viel Komisches in sich.

    Die fünfzehn schwarzen Gestalten tauchen in vielen weiteren Szenen während des gesamten Stücks auf und sorgen für komische Brüche. Wenn Papa im Lied „J’ai peur“ von seinen Ängsten singt, begleitet von Daniela Ade als Straßenmusikantin am Akkordeon, tauchen die sympathischen und neugierigen Außerirdischen Aila (Aliah Daigel), Anirac (Carina Schröter), Aisof (Julia Roth), Anivla (Alvina Frankline), Aibaf (Fabia Fügel) und Anoif (Fiona Lüling) auf. Sie versuchen, die Gewohnheiten der Menschheit zu erforschen, indem sie sie nachahmen und zumindest rein gestisch trauern wie Papa.

    Doch nicht alle Aliens sind so zutraulich und freundlich wie sie. Da gibt es allen voran Kirtep, den Chef-Alien (Patrick Eckhardt) - wenn er auftaucht, ist für Hase größte Vorsicht geboten. So wird er von ihm und seiner schwarzen Truppe bestehend aus Airam (Marie Maier), Etrip (Birte), Asiul (Luisa Udoh) und Rettlef (Anna-Lena Vetter) aus einem gemütlichen Abendessen mit seiner Familie gerissen und voller Gewalt auf den Boden gestoßen. Kirteps Ziel ist es, Hase über den bestehenden Umsturz auf der Welt vorzubereiten und ihm diese Nachricht zu übermitteln. Wie in allen Szenen reagiert nur der Sprössling der Familie auf die schwarzen Gestalten, alle anderen können sie nicht sehen. So sitzet Familie Hase auch einfach völlig verwundert an ihrem Esstisch und fragt sich, welche Spinnerei ihr jüngster Spross nun schon wieder auslebt. Dadurch bleibt für den Zuschauer bis zuletzt die Frage offen: Gibt es nun Außerirdische oder gibt es sie nicht?

    Wenn in den Umbaupausen die fünfzehn schwarzen Gestalten aus dem Weltraum im blauen Licht der Bühne herumgeistern, ihre Tänze und Rituale pflegen (allen voran die beiden tanzenden Aliens Amlas und Zaro, dargestellt von Salma Thawabi und Ana Lena Primorac) – und dabei ganz nebenbei die Kulissen verschieben und der nächsten Szene anpassen, dann kommt auch da keine Langeweile auf.

    Es ist immer was los auf der Bühne und immer schaffen es die Akteure, die Pointen gezielt im Publikum unterzubringen. Wenn erst die Ministerin (Fiona Lüling) und später die Nachrichtensprecherin (Esther Bahrs) das Publikum vor dem Fernseher in Durchhalteparolen und mit den so zur Mode gewordenen Fake-News einlullen wollen, möchte man einen Moment einhalten und darüber nachdenken, dass da doch viel Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts von der Cusanus-Haus-Bühne in den Saal strömt.

    Wenn dann am Ende trotz aller Irrungen und Wirrungen alles gut wird, dann mag das für eine Komödie selbstverständlich sein. Es lässt sich aber bei der pgh-Aufführung von „Hase Hase“ womöglich auch damit begründen, dass das alles in ein exzellentes musikalisches Arrangement eingebettet ist. Das hat Orchesterchef Andreas Medler zum Teil selbst komponiert und durchgehend überzeugend in Szene gesetzt. Herausragend vor allem die Ouvertüre, die musikalisch den Videofilm in untermalt, mit der das Publikum auf die Ankunft des Außerirdischen vorbereitet wird. Sparsam und gleichzeitig überzeugend das Bühnenbild (Leitung: Frau Hoffmann), mit viel Liebe zum Detail und schlüssig bis in die „kleinste“ Nebenrolle, die Kostüme (Leitung: Michaela Bühl-Wallis) – und am pgh:-) wie immer bestens gemeistert: Die Technik der Aufführung (Leitung: Dennis Stubenvoll, Florian Frech).

    Mag so manche Chemie-, Physik-, Mathe- oder Geschichtsstunde in Vergessenheit geraten, die Aufführungen von „Hase Hase“ werden es ganz sicher nicht. Für die Zuschauer nicht und schon gar nicht für über einhundert Schülerinnen, Schüler und Lehrer des Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim.             

       

    „Hase Hase“ - Das neue Theaterstück des Paracelsus-Gymnasiums-Hohenheim bekommt außerirdischen Besuch


    Es ist wieder soweit. Das Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim präsentiert auch dieses Jahr ein bezauberndes Theaterstück, an dem etwa 100 Schüler und Lehrer gemeinsam arbeiten. Mit großer Leidenschaft und Freude arbeiten alle Beteiligten an der Komödie „Hase Hase“ von Coline Serreau und hoffen, ihre Zuschauer im Mai 2017 mit ihren Vorstellungen ebenso zu beglücken.

    Es ist leider die letzte Produktion mit Andreas Medler, der jahrelang für die Musik verantwortlich war und mit seinen exakt auf Chor und Orchester zugeschnittenen Arrangements die Theaterstücke vollkommen machte. Trotz des Verlusts kann sich das Produktionsteam auf die Unterstützung einer neuen jungen Lehrerin freuen: Frau Hoffmann, die mit modernen Bühnenbildtechniken arbeitet, leitet seit diesem Jahr die Bühnenbild-AG an. Regie und Gesamtleitung übernimmt Judith Ellinger, eine motivierte angehende Theaterpädagogin, die Frische und Neues in das Projekt einbringt. Unterstützt wird sie hierbei von dem ehemaligen Regisseur Eberhard Riese, der dieses Jahr als Regieassistent agiert.

    Seit Jahren haben die Mitwirkenden atemberaubende Theaterstücke auf die Bühne gebracht. Hervorragende Inszenierungen von „Orpheus in der Unterwelt“ über „Sugar“ bis hin zu „Romeo und Julia“ sind vielen noch in lebhafter Erinnerung. Gespielt wird dieses Jahr die charmante Komödie „Hase Hase“ von Coline Serreau, aus dem Französischen übersetzt von Marie Besson. Familie Hase ist eine nicht ganz alltägliche französische Familie, die in äußerst humorvoller Weise mit irdischen sowie außerirdischen Problemen konfrontiert wird. Auch wenn dieses Jahr kein Musical auf der Bühne gespielt wird, wird das Theaterstück mit bekannten französischen Chansons wie „Je veux“ von der Künstlerin Zaz belebt.

    Die Zuschauer dürfen sich auf eine eineinhalbstündige Aufführung von einem anderen Stern freuen, für die alle kulturellen AGs des Paracelsus-Gymnasiums-Hohenheim wie gewohnt zusammen arbeiten. Die Schauspielerinnen und Schauspieler werden in der Theater-AG (Leitung: Judith Ellinger und Eberhard Riese) auf ihre teilweise sportlichen Bühnenleistungen hin trainiert. Währenddessen proben Orchester und Solisten unter Anleitung von Andreas Medler an französischen und außerirdischen Klängen. Ein wunderbares Bühnenbild wird von den „Bübis“ (Bühnenbild-AG, Leitung: Frau Hoffmann) erstellt, die Kostüm-AG (unter der Leitung von Michaela Bühl-Wallis) bestückt die Schauspielerinnen und Schauspieler mit passenden Kleidungsstücken. Auch die Techniker bereiten sich auf spannende Aufgaben vor.

    Wer dieses atemberaubende Theaterstück des Paracelsus-Gymnasiums miterleben möchte, ist herzlich eingeladen, eine der Vorstellungen im Nikolaus-Cusanus-Haus in Stuttgart-Birkach zu besuchen. Dort werden vom 20. Mai bis zum 23. Mai 2017 täglich um 19.30 Uhr Vorstellungen gespielt, am 20. Mai zusätzlich um 15 Uhr. Karten für 6€ (Schüler) bzw. 12€ (Erwachsene) können ab dem 10. Februar 2017 im Internet reserviert werden (www.paracelsus-gymnasium.de/reservierung). Der Vorverkauf findet ab 24. April 2017 täglich während der großen Pause statt (11:05-11:30 Uhr), ab 8. Mai 2017 können Karten auch im Sekretariat des Paracelsus-Gymnasiums-Hohenheim erworben werden (Tel.: 0711/ 216-25350).

     

    Artikel von Anh Trinh Minh Nguyen und Ezgi Sahin (Kurs Literatur und Theater sowie Theater-AG, J2)