Sportexkursion an den Gardasee

Teambuilding, über sich hinauswachsen und gemeinsam Neues erleben - das stand im Zentrum der Exkursion des Neigungskurses Sport der Klasse 11.

Empirische Studien konnten zeigen, „dass Schülerinnen und Schüler, die sich in ihrer Klassenumgebung sicher fühlen und eine positive Beziehung zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern haben, mehr Interesse an schulischen Aktivitäten besitzen und sich mehr im Unterricht beteiligen, was wiederum in einer höheren Leistung resultiert“ (übersetzt vom Autor, Decristan et al., 2016, S. 69). Zudem identifizierte Hattie (2009) in seiner großen Meta-Studie ein positives Lehrkraft-Schüler-Verhältnis als einen zentralen Wirkfaktor für den Lernerfolg. Um ein positives Gruppenklima zu ermöglichen, sind Teambuilding-Prozesse, also Erfahrungen, welche die Gruppenzusammengehörigkeit maßgeblich fördern, unabdingbar. Die diesjährige Exkursion des vierstündigen Sportkurses sollte genau in diesem Lichte stehen. Insbesondere sportbezogene Unternehmungen und Erfahrungen eignen sich ausgesprochen gut, um den Entwicklungsprozess von einer Gruppe zu einer Gemeinschaft anzustoßen – und eine starke Gemeinschaft ist besonders dann wichtig und hilfreich, wenn es um das Erreichen eines Zieles geht. Das Ziel des Kurses stand bereits mit dem Beginn des Schuljahres fest - das „Abitur 2020“ bestmöglich zu bestehen. Die Exkursion hielt also genau jene Erfahrungen für die Schülerinnen und Schüler bereit, die die Gruppe zur Gemeinschaft zusammen wachsen ließen: im Surfkurs gemeinsam Neues erleben, Herausforderungen, denen man nur zusammen erfolgreich begegnen kann, persönliche Grenzerfahrungen teilen, in denen man selbst über sich hinaus wächst und sich über die gesammelten Eindrücke und Emotionen austauschen.

Nach Ankunft in Torbole, einem dorfähnlichen Städtchen, das sich zwischen beeindruckenden Bergen direkt am Fuße des weitläufigen Gardasees befindet, startete unser gemeinsames Programm mit einer lockeren Ausdauereinheit und verschiedenen Kennenlern- und Gruppenübungen. 

Das von vielen bereits sehnlichst erwartete Windsurfen stellte am nächsten Morgen nun den wirklichen Beginn des Sportprogramms dar. Eine schwächere Brise bei bewölktem Himmel half, um die ersten theoretischen Instruktionen der Surflehrer auf dem Wasser umzusetzen und ein Gefühl für das Brett, das Segel und den Wind zu bekommen. Das war für die meisten wie das Erleben einer Theoriestunde im Sportunterricht – völlig neu. Unmittelbar nach der ersten Surfeinheit sollten ausgerechnet die Meteorologen recht behalten - es begann leicht zu tröpfeln und der Wind nahm zu. Gerade die widrigen Bedingungen für eine Wanderung auf den nahegelegenen Berg „Monte Brione“, welcher sich gleich einem mächtigen Türsteher zwischen die Städtchen Riva und Torbole stellt, sollten sich im Nachhinein als eine vortreffliche Herausforderung und weitere Teambuildingmaßnahme herausstellen. Nach anfänglichen Beschwerden und Klagen über das Wetter spornten sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig an, verschärften sogar zunehmend das Tempo und meisterten den Berg in einer beachtlichen Zeit. Resümierend lässt sich zusammenfassen: Alle wanderten mit, das gesamte Team blieb zusammen und nahezu jeder genoss die einzigartigen Momente auf dem Gipfel zu stehen, dem Regenwetter getrotzt und die für viele nicht möglich gehaltene Tour gemeinsam gemeistert zu haben. 

Am zweiten Tag standen die Tagespunkte Surfen und eine Mountainbike-Tour auf dem Programm. Als gar nicht so einfach stellte sich dabei der Verzicht auf die elektronischen Geräte an diesem Tag dar, denn zu Beginn des Tages wurden alle elektronischen Geräte im Hotel gelassen. Diese wurden von jedem einzeln in einen Safe hineingelegt und vom Lehrer verschlossen. Gerade in der heutigen Zeit fällt auf, wie viele Jugendliche unter zunehmenden Druck geraten, sich und ihr Leben bestmöglich über soziale Medien zu präsentieren und darzustellen. Der Moment kann als solches nicht mehr in vollsten Zügen genossen und bewusst erlebt werden. Vielmehr werden ständig Gelegenheiten gesucht, um die eigene Person besonders attraktiv und beeindruckend darzustellen. Ein verbaler Austausch tritt in den Hintergrund und wird zusehends durch einen digitalen ersetzt. Nach der Surfeinheit bei bestem Wetter, einer ausgiebigen und anspruchsvollen Mountainbike-Tour und einem sehr ausgelassenem, witzigen und unterhaltsamen Abendessen stand fest – die Aufgabe wurde nicht nur erfüllt, sondern führte verstärkt dazu, dass deutlich mehr Kommunikation zwischen den Gruppenmitgliedern stattfand und die Gemeinschaft erneut gestärkt wurde. 

Am Abreisetag standen lediglich der letzte Surf-Kurs und die siebenstündige Rückfahrt bevor. Die Sonne lachte bereits von Anbeginn der ersten Tagesstunden in die erwartungsvollen Gesichter der Schülerinnen und Schüler. Da der Wind an diesem Tag außerordentlich stark, mit bis zu 30 km/h, über den Gardasee fegte und sogar für kleinere Wellen mit weißen Schaumkronen sorgte, ließen sich von Beginn an tiefe Furchen in den Gesichtern der Lehrkräfte erblicken.  Nicht zu Unrecht. Nur wenigen gelang es, die Wellen und den starken Wind für eine temporeiche Fahrt zu nutzen. Die meisten waren nach ein bis zwei ermüdenden Stunden froh, wieder sicheren und festen Boden unter den Füßen zu haben und verbuchten die Surfeinheit als eine anspruchsvolle Erfahrung. 

Die gelassene Stimmung der Gruppe auf der Rückfahrt, die vielen prägenden Eindrücke und die strahlenden Gesichter der Schülerinnen und Schüler ließen bereits vor dem eingeholten Feedback auf eine erfolgreiche Exkursion schließen. Dazu trugen insbesondere auch Herrn Wachters (Sportlehrer am PGH) unterstützende und organisatorische Fähigkeiten bei. Von der tollen, anspruchsvollen und sehr gewinnbringenden Exkursion mitsamt dem Wir-Gefühl werden wir in der Sportklasse noch lange profitieren.