Das pure Glück – Frühlingskonzerte in der Steckfeldkirche 05. und 06.03.2026

Wenn Konzertbesucher mit federndem Schritt und breitem Lächeln im Gesicht die Steckfeldkirche verlassen, dann hat sich etwas Wunderbares ereignet

Sie haben 1½ Stunden großartige Musik gehört, dargeboten von 180 Schülerinnen und Schülern mit einer solchen Musizierfreude, dass man einfach hingerissen war.

Seit Jahren überlegt man in Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt, wie man den Unterricht verbessern könnte, um das eigentliche Ziel von Schule, nämlich die Schülerinnen und Schüler zu glücklichen, lebenstüchtigen Menschen heranzubilden, zu erreichen. Dänemark führte sogar das eigens kreierte Fach „Glück“ ein. Dabei gibt es seit jeher ein Fach, dem wir gerne mehr Unterrichtsstunden gönnen würden: Musik. Wer musiziert, ist glücklich, wer dies in Gemeinschaft mit anderen tut, umso mehr. Und wenn sich dieses Glücksgefühl auf die Zuhörenden überträgt und dann noch der Applaus wiederum die Spielenden beglückt – dann ist das Ziel erreicht.

Glückserlebnisse sind Erfolgserlebnisse. Dass diese aber das Ergebnis eines Lernprozesses sind, weiß jeder Schüler, der im Kampf mit dem Stimmbruch darum ringt, die richtigen Töne zu treffen, jeder Instrumentalist, der beharrlich danach strebt, den störrischen Fingern die Bewegungsabläufe einzuspeichern, und jeder Lehrer, der bei dem Versuch, einer Klasse die Flötentöne beizubringen, davon ein Liedchen singen kann. Üben, üben, üben ist die Devise und so waren noch eine Woche vor dem Konzert alle Schülerinnen und Schüler aus Chor, Orchester und Band unter der Ägide der verantwortlichen Lehrerinnen Fr. Borchert, Fr. Montes, Fr. Rochard und Fr. Schlick für drei Tage auf der Schwäbischen Alb in der Jugendherberge Erpfingen, um zu proben.

Das Ergebnis dieser Anstrengungen konnte sich am Donnerstag und Freitag in der Steckfeldkirche hören lassen.

Zunächst machten die Fünftklässler, geleitet von Fr. Rochard und Fr. Schlick, mit zwei Songs den Anfang. Frisch und eindringlich zugleich wurde mit den „99 Luftballons“ von Nena subtil ein Zeichen der Hoffnung in schwierigen Zeiten gesetzt – wobei ein kleiner roter Ballon das optische Signal bildete.

Das Unterstufenorchester brachte nun den Groove wortwörtlich ins Spiel. Mit „Groove to the Music“ und einem Song von Adele, gekonnt arrangiert und dirigiert von Fr. Rochard, wurden zwei Songs mit viel Gefühl vorgetragen.

Der nun folgende Unterstufenchor (Leitung Fr. Montes) behielt den Groove in zwei weiteren Songs bei. So viel Schwung verfehlte natürlich nicht seine Wirkung und spätestens mit dem Titel „You’ll be in my heart“ sangen sich die Schülerinnen und Schüler in die Herzen der Zuhörer.

Wer schon im letzten Konzert dabei war, fieberte nun dem nächsten Programmpunkt entgegen: dem Auftritt der Schulband „Copycats“, deren Mitglieder jetzt kurz vor dem Abitur stehen und die noch einmal alles gaben, um ihrem Ruf gerecht zu werden. In erweiterter Formation war ihr Auftritt ein Heimspiel – und eine Lektion in Sachen Coolness, wobei nicht nur die Sonnenbrillen und Stirnbänder gemeint sind. Ein Medley, das Songs von Toto und den Stranglers umfasste, führte einen in die Zeit der 70er zurück. Unbedingt stimmig also, dass sich später „Bond’s Symphony“ mit einem ABBA-Song anschloss.

Das Flower-Power-Feeling wurde nun vom großen Chor (Klassenstufen 7 bis 12) mit dem Song „California Dreaming“ direkt übernommen, wobei die bunte Kleidung mit ihrer Reminiszenz an die Friedensideale der Hippies sinnfällig die Aussage der Lieder unterstrich. Unter dem Dirigat von Fr. Borchert legte sich der Chor mächtig ins Zeug, rhythmisch befeuert vom begeisterten Publikum. Als heimlicher Star aber entpuppte sich ein Junge im bunten Batikshirt (Cezar Filipoiu, 8c), der seine ganze Seele in ein Solo legte und nun bestimmt eine große Fangemeinde hat. Spätestens jetzt war das Publikum weichgekocht – die Eltern voller Stolz auf ihre Kinder, die Lehrer voller Rührung über ihre Schüler, und als dann alle gemeinsam mit Chor und Band zu „Dancing Queen“ von ABBA mitwippen konnten, fühlte sich jeder als Teil einer großen glücklichen Gemeinschaft.

Vielleicht ist es einer der schönsten Nebeneffekte des Konzerts zu sehen, wie andächtig die jüngeren Schüler den älteren lauschen und begeistert die älteren den jüngeren Beifall spendeten, wie selbstverständlich die Älteren aus Orchester und Band den Chor unterstützten und wie unprätentiös der ein oder die andere Ehemalige beim Auftritt verschiedener Ensembles mitmischte.

Überhaupt ist es das Orchester, das einem jedes Mal Hochachtung abringt: Man staunt schon vor dem eigentlichen Spiel über die bunte Vielfalt der Instrumente, bewundert die Schüler und Schülerinnen, die zwischen verschiedenen Instrumenten hin- und herwechseln können, wundert sich, dass auch Flöten gestimmt werden müssen und ist schließlich ganz angetan vom Klangbild, das sich nicht zuletzt dem passgenauen Arrangement von Fr. Schlick verdankt.

Beindruckend geriet dann die Uraufführung des schlicht „Symphony“ betitelten Werkes aus der Feder des Pianisten Carl Öttinger. Ein genialischer Wurf, der hoffentlich nicht das letzte Werk des Abiturienten bleiben wird.

Mit dem daran anschließenden „James Bond Theme“ beschloss das Orchester seinen Auftritt.

Den Abschluss machte ein Werk voller Wucht und Dramatik. Carl Orffs „O Fortuna“, zu dem sich die Chöre, die singenden Unterstufenorchesterkinder und das Orchester vereinigten, riss einen aus den nostalgischen Erinnerungen an die Flower-Power-Zeit und gemahnte daran, dass das Leben schon immer der wankelmütigen Glücksgöttin unterworfen ist. An diesem Abend aber schien Fortuna einzig und allein für das pure Glück zuständig zu sein und begeisterter Applaus für alle Beteiligten bildete den euphorischen Schlusspunkt.

Susanne Cadario

 

Herzlich bedankt sich die Fachschaft Musik des PGH bei den Spezialistinnen und Spezialisten der Technik-AG unter der Leitung von Herrn Stubenvoll, deren Anteil an Klang- und Lichteffekten gar nicht genug hervorgehoben werden kann. Erstmals kamen neue, vom Verein der Freunde finanzierte, farbige LED-Scheinwerfer zum Einsatz.

Ein weiterer Dank gilt allen Eltern und der Elternkasse, ferner dem Verein „Freunde des PGH e. V.“ und dem Verein „Cents for help“ der Robert-Bosch-Gruppe Deutschland, ohne deren finanzielle Unterstützung unsere musikalische Arbeit – vor allem die Probenfreizeit in der Jugendherberge Erpfingen und die Busfahrt dorthin – so nicht möglich wäre.

Außerdem ein herzliches „Vergelt’s Gott“ an Herrn Pfarrer Winkler und die Kirchengemeinde im Steckfeld.

Eva Schlick, für die Fachschaft Musik des PGH