Dracula triumphiert

(KR) Diesem Monster kann niemand widerstehen. Gerade noch saß die feine viktorianische Gesellschaft bei einem Tässchen Tee im Salon der wohlanständigen Familie Westenra zusammen – da verdüstert sich der Himmel und ein fulminanter Sturm tobt über die Bühne. In Donner und Blitz erscheint ein düsterer Dandy im schwarzen Frack, mit vollendeten Manieren, markanter Bassstimme und beunruhigend langen Zähnen.
Ben Ujkani gibt den Dracula als charismatischen Verführer, von dem sich die Damen der feinen englischen Gesellschaft lustvoll aussaugen lassen. Sein erstes Opfer, Lucy (Pia Beeck), durchläuft eine beängstigend gut gespielte Metamorphose vom braven Heimchen am Herd zum fauchenden, zähnefletschenden Vamp. Ihr biederer Verlobter (Patrick Eckhardt) sieht’s mit Entsetzen. Wie überhaupt die Männer im Stück dem Einbruch des Dämonischen wenig entgegenzusetzen haben. Lucys Freundin Mina (auch als Solistin beeindruckend: Stefanie Krüger) nimmt beherzt den Kampf gegen den Fürst der Finsternis auf. Ihr Verlobter dagegen (mit großem komödiantischem und gesanglichem Talent gespielt von Iwan Meckler) kämpft mit zahlreichen Zipperlein und scheint zunächst seine Verlobte mehr zu fürchten als alle Geister Transsilvaniens. Den Verführungskünsten dreier lasziver Vampirinnen kann er sich schließlich nur durch eine rasche Ohnmacht entziehen. Der selbstverliebte Vertreter der Wissenschaft, Dr. Seward (Michael Conrad), steht den mysteriösen Todesfällen ebenfalls ratlos gegenüber. Hilfe erhofft er sich ausgerechnet von den tollpatschigen Brüdern van Helsing (komödiantische Paraderollen für Joshua Henzler und Patrik Simic), ihres Zeichens Vampirjäger, die zu den Klängen von „Ghost Buster“ auf die Bühne tanzen. Eigentlich wollen sie ja Dracula zur Strecke bringen, sind aber meist mit geschwisterlichen Eifersüchteleien oder der Suche nach dem richtigen Abgang beschäftigt.
Das Regieteam Judith Ellinger und Eberhard Riese inszeniert den Horrorklassiker als eine mitreißende Mischung aus Grusel und Komik. Und als großartige Ensembleleistung mit vielen beeindruckenden Szenen und Darstellern. Auf einem Marktplatz tanzen und singen „Zigeuner“, auf Draculas Schloss bevorzugt man den feurigen Flamenco (Leitung: Mariella Martino) und auf der Nebenbühne verspeisen fünf furchteinflößende Insassen einer Irrenanstalt unter dem schläfrigen Auge ihrer Wärterin genüsslich Insekten. In rascher Folge wechseln die Schauplätze, von einem transsilvanischen Dorf über Draculas Schloss in einen viktorianischen Salon und weiter zu einer Irrenanstalt und schließlich auf einen Friedhof, auf dem die ewigen Lichter gespenstisch leuchten. Überragt wird die Szenerie von einem riesigen Spinnennetz, durch das Dracula seinen ersten Auftritt hat. Und wenn er dann zubeißt, wird die Bühne in rotes Licht getaucht. Bübi, Kostüm und Technik gelingt es beeindruckend, durch markante Kulissen, großartige Kostüme und professionelle Beleuchtung den Zuschauer an die verschiedensten Orte mit ihrer jeweils eigenen Atmosphäre zu versetzen (Leitung: Michaela Bühl-Wallis, Sabine Hausner-Lammer, Dennis Stubenvoll, Florian Frech, Lukas Linus Lauer). Den großen Showdown in Draculas Gruft überstrahlt ein riesiges gotisches Kirchenfenster. Die Brüder van Helsing wollen den verführerischen Untoten endgültig unschädlich machen. Doch als sie zupacken, ist er plötzlich verschwunden und sie halten nur den leeren Mantel in der Hand. Die beiden feiern trotzdem ihren Sieg. Zu früh, wie sich herausstellt. Dracula kehrt zurück und triumphiert hohnlachend über alle Gespensterjäger. Donnernder Schlussapplaus für den Fürsten der Dunkelheit und seine Entourage.


Workshops und Aktionen rund um das Theaterprojekt

PGH-Schüler sogar während der Osterferien aktiv

Es klingt so gut, dass man es kaum zu glauben wagt: Wer am PGH ist, stellt sich sogar in den Ferien den Wecker!

Die Schülerinnen und Schüler des PGH lieben die Arbeit in der Bühnenbild-AG tatsächlich so sehr, dass sie selbst ihre Ferienzeit mit Malen und Schreinern verbringen. Unter Anleitung ihrer AG-Leiterinnen arbeiteten die „Bübis“ vier Tage lang insbesondere am Salon der feinen englischen Familie, in der der unbekannte Graf Dracula plötzlich auftaucht, und an Draculas Burg selbst. Unterstützt wurden sie von dem professionellen Schreiner Herr Kuyucu, der für den Internationalen Bund e.V. arbeitet und somit die berufliche Orientierung an baden-württembergischen Schulen fördert. Das Projekt, an dem die „pgh-productions“ dieses Jahr teilnehmen dürfen, nennt sich „Kooperative Berufsorientierung“ (KooBo), wird mit EU-Geldern unterstützt und möchte Schülerinnen und Schüler in lebendigen Kontakt mit unterschiedlichen Berufen bringen. So hatten alle 25 Mitglieder der Bühnenbild-AG in diesem Schuljahr bereits das Glück, mit der Bühnenbildnerin Miriam Lüer und dem Bühnentechniker Stefan Bukovsek zusammenarbeiten zu dürfen und etwas über ihre Tätigkeitsfelder, ihren Werdegang sowie Berufsaussichten in dieser Branche zu erfahren.

Auch in den Bereichen Fotografie und Design lernten einige Schüler einen Profi kennen. Denn für das berauschende Design der „Dracula“-Plakate, -Flyer, -Programme und -Eintrittskarten zeichnet sich der Künstler Thomas Witzke verantwortlich, in enger Zusammenarbeit mit zwei pgh-Schülern. Zunächst entwickelte Iwan Meckler (Mitglied der Theater-AG) ein Konzept für die Plakate. Anschließend fand ein professionelles Fotoshooting statt, bei dem Iwan selbst die Regieanweisungen gab und dem Fotografen über die Schulter schauen durfte. Am Auslöser stand Thomas Witzke selbst und schaffte es binnen kürzester Zeit, atemberaubende, blutige und magische Momente einzufangen. Gemeinsam mit Fabian Armbruster, seinem Kollegen in der Technik-AG, leistete Iwan in den folgenden Wochen großartige Vorarbeit am PC. Anschließend perfektionierte Herr Witzke den Plakatentwurf der beiden Schüler und erschuf für die fünf Vorstellungen unterschiedliche Designformate, die alle gleichermaßen begeistern. „Wow – die sehen ja wahnsinnig gut aus! Bin das wirklich ich?“ Der Dracula-Darsteller Ben Ujkani lächelt von einem Ohr zum anderen, schüttelt gleichzeitig ungläubig den Kopf und ist überwältigt, als er die fertigen Formate mit sich zum ersten Mal sieht.  

Man kann sich gut vorstellen, dass derartige Momente und Begegnungen die Schülerinnen und Schüler nachhaltig beeindrucken und ihnen dabei helfen, ihren eigenen Lebensweg zu finden. So konnte auch Herr Kuyucu den „Bübis“ nicht nur komplizierte Fragen zur Konstruktion und Umsetzung ihres Bühnenbilds beantworten und ihnen kleine handwerkliche Kniffe zeigen. Er motivierte die ohnehin schon detailverliebten Schülerinnen während ihrer Ferien tatsächlich bis zur Fertigstellung des wichtigsten Elements auf der Bühne: „Jippiehhh, wir haben es geschafft, es klappt wirklich!“, triumphieren die alle anwesenden Handwerkerinnen und Handwerker am Ende des vierten Bautages und fallen sich vor Freude in die Arme. Was klappt? Das wird noch nicht verraten!

Von fliegenden Menschen und meterhohem Schnee

Der am Staatstheater Stuttgart beschäftigte Bühnenbildner Stefan Bukovsek gab einen Einblick in die praktische Arbeit eines Bühnenbildners.

Kurz vor den Ferien, am 7. Februar, begeisterte der Besuch von Stefan Bukovsek, seines Zeichens Bühnentechniker am Staatstheater Stuttgart. „Ich gehe seit über 20 Jahren gerne zur Arbeit“, sagt er mit einem strahlenden Gesichtsausdruck und schwärmt in einem kurzweiligen Vortrag vor von Kunstschnee, sekundengenauer Arbeit und technischen Herausforderungen wie beispielsweise einem fliegenden Hauptdarsteller in der Kinderoper Peter Pan. Die SchülerInnen aller kulturellen AGs hängen an seinen Lippen, einige von ihnen kennen den ‚Flow‘ bereits, der entsteht, wenn viele Menschen voller Leidenschaft gemeinsam auf ein Ergebnis hinarbeiten. Andere erahnen es und sind erfüllt von Vorfreude auf die bevorstehenden eigenen „Dracula“-Aufführungen. Nachdem Bukovsek noch seinen Werdegang umrissen hatte, schwärmten die SchülerInnen wieder in ihre eigenen AGs aus. Alleine die TeilnehmerInnen der Bühnenbild-AG genossen dann noch die tatkräftige Unterstützung des Bühnentechnikers. Im Anschluss daran nahm der Profi sich noch die Zeit, die beiden AG-Leiterinnen Michaela Bühl-Wallis und Sabine Hausner-Lammer in besonders kniffeligen Fragen zu beraten.

Dieser besondere Besuch wurde ermöglicht durch die „Kooperativen Berufsorientierung“ (KooBO), einem Projekt des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport zusammen mit Projektpartnern wie dem Internationalen Bund e.V. zur Förderung der beruflichen Orientierung an baden-württembergischen Schulen. Es dürfen Profis eingeladen werden, die Fragen beantworten, auf die die Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer Beschäftigung mit dem Projekt stoßen. Dadurch erhalten die Jugendlichen einen Einblick in unterschiedliche Berufe und lernen Menschen kennen, die sie ausüben.

Dracula wurde im Musiksaal gesichtet!

Am vergangenen Samstag wurde Dracula bei uns am PGH gesichtet! Wir haben die ganze Story.

Am vergangenen Samstag, den 3. Februar, wurde Dracula im Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim gesichtet! Er wütete im Musiksaal, berichteten die Schüler Fabian Armbruster, Max Jaeger und Iwan Meckler. Angst hatten die drei trotzdem nicht, denn unter dem perfekten Kostüm, einem atemberaubenden Make-up und dem maßgefertigten Vampirgebiss steckte ihr freundlicher Mitschüler Ben Ujkani. Gemeinsam mit den AG-Leitern Michaela Bühl-Wallis (Bühne und Kostüm), Dennis Stubenvoll (Technik), Eberhard Riese und Judith Ellinger (beide Leitung und Regie) planten die Schüler zwei besondere Foto-Shootings. Hierfür konnten die Maskenbildnerin Melanie Jatzkowski und der Künstler Thomas Witzke, der sich mit Malerei, Rauminstallation, Zeichnung, Schreiben und Fotografie beschäftigt, gewonnen werden. Die Profis reisten mit reichlich Equipment an, um ein Foto zu erstellen, das bald die Werbeplakate, Eintrittskarten und Programmhefte der nächsten pgh-Theater-Produktion „Dracula“ schmücken wird. Während Melanie Jatzkowski für bleiche Haut und reichlich Blut am Set sorgte, rückte Thomas Witzke den Dracula-Darsteller ins rechte Licht und schoss grandiose Fotos. Iwan, der bereits eine klare Vorstellung des sinnlich-blutigen Endprodukts hat, half seinem Mitschüler Ben während des Shootings dabei, gedanklich in seine Rolle einzutauchen. Auch half Iwan später bei der Vorauswahl der perfekten Bilder.

Als das Plakat-Shooting zu Ende war, durften die Profis gehen – nicht jedoch die Schüler. Denn die Techniker Fabian und Max bauten während der morgendlichen Aktion bereits einen Green-Screen auf, vor dem sich Dracula während eines weiteren Shootings positionierte. Die Mitglieder der Technik-AG fotografierten Ben nun von allen Seiten, da sie das Ziel haben, den Fürsten der Finsternis in einer gruseligen Projektion zum Leben zu erwecken…

Diesen unvergesslichen Tag verdanken die „pgh-productions“ dem Internationalen Bund e.V., der die diesjährige Theaterproduktion mit der Maßnahme „Kooperative Berufsorientierung“ (KooBo) unterstützt. Gefördert vom Europäischen Sozialfonds und der Bundesagentur für Arbeit dürfen Profis eingeladen werden, die ihr Wissen an die beteiligten Schülerinnen und Schüler weitergeben.

Die Stuttgarter Zeitung berichtete auch über die Fotoshootings.



EU unterstützt Grusel am PGH

(ell) Die kulturellen AGs des Paracelsus-Gymnasiums-Hohenheim arbeiten fieberhaft an ihrer neuesten Theaterproduktion. Im Juni 2018 wird der berühmte Graf Dracula (nach Bram Stokers Roman „Dracula“) die Zuschauer des Nikolaus-Cusanus-Hauses das Fürchten lehren.

Momentan werden zahlreiche Fragen heiß diskutiert und ausprobiert: Wie könnte Draculas furchterregendes Schloss auf einer Bühne aufgebaut werden? Wer verkörpert die beiden wunderschönen jungen Damen Lucy und Mina oder den Verrückten Renfield am besten? Wie werden die blutarmen Vampire am Überzeugendsten geschminkt? Und vor allem: Wie können auch Leichtigkeit und Witz einen Platz im Stück erhalten? Voller Spannung werden zudem die in „Dracula“ integrierten Auftritte der neu gegründeten Flamenco-AG erwartet, angeleitet von Mariella Martino, die diesen feurigen Tanz seit frühester Kindheit selbst praktiziert.

Unterstützt werden die „pgh-productions“ während des ganzen Schuljahres vom Internationalen Bund e.V. mit der Maßnahme „Kooperative Berufsorientierung“ (KooBo), einem Projekt zur Förderung der beruflichen Orientierung an baden-württembergischen Schulen. Gefördert vom Europäischen Sozialfonds und der Bundesagentur für Arbeit dürfen beispielsweise Profis eingeladen werden, die ihr Wissen an die fast 100 beteiligten Schülerinnen und Schüler sowie ihre AG-Leiter weitergeben. Angedacht sind bisher der Besuch einer Maskenbildnerin und eines Bühnenbildners.

Wer das blutige Ergebnis betrachten möchte, kann sich bereits jetzt die Vorstellungstermine vormerken: „Dracula“ wird vom 16. bis 19. Juni 2018 täglich im Nikolaus-Cusanus-Haus gespielt.


pgh productions

Als Schülerin oder Schüler des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim hat man einmal im Jahr die Möglichkeit, eine unvergessliche Erfahrung zu machen. Jeder kann Teil der großen Theaterproduktion, der „pgh productions“, werden. Das besondere an unserem Theater ist, dass die Schülerinnen und Schüler während der Vorstellungen für wirklich alles selbst verantwortlich sind: für Bühnenbild und Requisiten, Licht und Ton, Maske und Kostüm, Musik und Gesang, Schauspiel und Tanz. Jeder kleine Kniff, jeder große Moment liegt allein in Schülerhänden. Und genau dies führt jedes Jahr wieder zu einer unvergleichlichen Magie, die keiner vergisst, der sie je erlebt hat.

Etwa 100 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an dem Gemeinschaftsprojekt. Je nach Begabung treffen sie sich während des gesamten Schuljahres jeden Mittwochnachmittag in einer der beteiligten sieben AGs. Wer gerne schraubt, sägt und malt, ist in der Bühnenbild-AG glücklich. Die technisch versierten Schülerinnen und Schüler gehen in die Technik-AG, die musikalisch Interessierten treffen sich in Orchester- und Chor-AG. Außerdem gibt es noch die Kostüm-AG, die Flamenco- bzw. Tanz-AG, sowie einige Schülerinnen und Schüler, die sich um den Kartenverkauf, das Design der Plakate oder die Maske kümmern. Zuletzt können sich die spielwütigen Schülerinnen und Schüler für die Theater-AG entscheiden.

Und genau dies ist unser Geheimnis: Jeder kann in seinem Bereich mithelfen, um den Zuschauern (und sich selbst) ein umwerfendes Theatererlebnis zu bescheren. Und wirklich jeder ist bereit, für genau dieses Ziel sein Bestes zu geben – ohne wenn und aber.

Angeleitet von einem enthusiastischen AG-Leitungsteam werden die Beteiligten wöchentlich und in zahlreichen Zusatzproben auf ihre große Aufgabe vorbereitet. Während der Probenwoche wirkt das pgh;-) dann wie leergefegt. Denn die Endproben finden nicht in der Schule, sondern auf der professionellen Bühne des Nikolaus-Cusanus-Hauses statt, wo traditionell die fünf Vorstellungen gespielt werden. Die Entwicklung während dieser Woche – begonnen beim Transport und Aufbau des Bühnenbildes, über das Einrichten der Schweinwerfer und Verstärker, bis hin zum Üben der großen Anfangs- und Schlussszenen – ist jedes Mal wieder überwältigend. Und am Ende stehen 90 Minuten Unterhaltung. Ob sich das lohnt? Und ob sich das lohnt – sagen wir!!!