Gemeinschaftskunde

Demokratie verlangt Bürgerinnen und Bürgern viel ab: informiert, reflektiert, engagiert und diskussionsfreudig sollten sie sein, um das demokratische Zusammenleben mit Leben zu füllen und die eigenen Interessen über verschiedene Partizipationsformen einbringen zu können. Gerade im digitalen Zeitalter, das neben einer breiten Informationsfülle auch Gefahren wie Fake-News birgt, wird der reflektierte Umgang mit neuen Kommunikationstechnologien, Statistiken und Nachrichten immer wichtiger (Analysekompetenz, Methodenkompetenz), um sich ein eigenes gut begründetes Urteil bilden zu können (Urteilskompetenz) und die eigene Meinung im Anschluss effektiv vertreten zu können (Handlungskompetenz).

Ganz im Sinne des Bildungsforschers John Dewey sind wir davon überzeugt, dass ein Gramm Erfahrung besser ist als eine Tonne Theorie und Haptik mehr wiegt als reine Erklärung, weshalb wir die unterrichtlichen Gegenstände mit Exkursionen zu politischen Institutionen und außerunterrichtlichen Lernorten verknüpfen. Unser Exkursionkonzept setzt sich dabei aus folgenden Bausteinen zusammen:

Klasse 8Besuch des Gemeinderats Stuttgart
Klasse 9Besuch des Landtags Baden-Württemberg
Besuch des Landgerichts
Besuch des Berufsinformationszentrums (Vorbereitung des BOGY-Praktikums)
Klasse 10Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg
Klasse 11Berlinfahrt des Neigungskurses
Jährlich wechselnde Exkursionen des Seminarkurses „Krieg und Frieden“

Ergänzt werden diese curricular verankerten Exkursionen durch außerunterrichtliche Veranstaltungen wie den gemeinsamen Filmabend „Politischer Film“ in der Jahrgangsstufe 1 und 2 oder aktuelle themenbezogene Projekte.


Besuch des Friedensinstituts Tübingen

Was ist Frieden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Seminarkurs „Krieg und Frieden“ bei seiner Exkursion zum Friedensinstitut Tübingen/Berghof Foundation. Die Berghof Foundation ist eine NGO (Non Governmental Organization) und unterstützt Konfliktparteien und andere Akteure in ihren Bemühungen, Frieden zu erreichen.

Wie wir alle Tag für Tag in den Medien lesen können, herrscht in vielen Regionen der Erde Krieg. Oft ist es sehr schwer, eine Lösung zu finden, da sich die verschiedenen Interessen nicht vereinbaren lassen und die Konflikte schon weit vorangeschritten sein können. Um zu verstehen, wie Konfliktbewältigung gelingen kann, muss zunächst die Genese eines Konfliktes durchdrungen werden. Hierzu beschäftigten wir uns mit den verschiedenen Eskalationsstufen eines Konfliktes, um anschließend zu analysieren, welche Schlüsselmomente zur weiteren Eskalation von Konflikten führen. Wichtig dabei ist, dass es auf jeder (auch auf der letzten!) Eskalationsstufe Methoden für eine Deeskalation und friedliche Konfliktbewältigung gibt. Dass die Ansätze und Methoden hier unterschiedlich sein können, davon zeugte eine hitzige Diskussion, in welcher der Kurs über die richtigen Ansätze debattierte. Alle waren sich jedoch einig, dass ein Konflikt nicht mit Gewalt, sondern mit friedlichen Mitteln gelöst werden sollte.

Zum Schluss stellten die Mitarbeiterinnen des Friedensinstituts dem Kurs die Website FRIEDEN-FRAGEN.de vor. Diese Website ist speziell für Kinder und Jugendliche gestaltet. In einem Forum werden Fragen zu verschiedenen Themen rund um Krieg und Frieden altersgerecht beantwortet. Als der Kurs in Gruppen einige solcher Fragen beantworten sollte, stellten wir alle fest, dass es nicht immer einfach ist, eine politische Frage kindergerecht und neutral zu beantworten.

Wir alle haben während der Exkursion gemerkt, dass Frieden nicht einfach zu schaffen ist. Vor allem wenn man versucht, die Frage zu beantworten, was Frieden eigentlich ist: Denn jeder Mensch versteht etwas anderes unter dem Begriff „Frieden“: Für einige mag er Religionsfreiheit oder die Möglichkeit auf Bildung sein, für andere ist er die Abwesenheit von Gewalt und Terror.

Hanna S.